Fachstand: 8. September 2026. Ein digitales EVU-Portal kann Zählerstände, Umzüge, Tariffragen und Störungsmeldungen aufnehmen und die Bearbeitung mit Power Automate anstossen. Die Architektur muss jedoch zur Zielgruppe passen: Eine Power Apps Canvas-App ist nicht automatisch ein öffentliches B2C-Kundenportal.
Canvas-App und Power Pages sind nicht dasselbe
Microsoft beschreibt Canvas-Gastzugriff als B2B-Szenario: Externe Partner oder andere Gäste werden in den Microsoft-Entra-Mandanten eingeladen. Je nach App, Datenquelle und vorhandenen Nutzungsrechten benötigen auch Gäste eine passende Power-Apps-Lizenz. Für Websites, die anonym oder über frei wählbare Identitätsanbieter von externen Personen genutzt werden, positioniert Microsoft Power Pages. Quelle: Microsoft Learn – Canvas-App mit Gästen teilen (abgerufen am 8. September 2026).
Daraus folgt für ein EVU:
- Canvas-App: sinnvoll für einen begrenzten, bekannten Nutzerkreis, beispielsweise Geschäftskunden oder Partner, die als B2B-Gäste verwaltet werden.
- Power Pages oder eine individuell entwickelte Webanwendung: in der Regel geeigneter für ein Portal mit vielen Privatkundinnen und -kunden, Self-Service-Registrierung und öffentlichem Einstieg.
- Power Automate: kann in beiden Varianten Prozesse orchestrieren; Premium-Connectoren, Dataverse und ERP-Schnittstellen beeinflussen die Lizenzierung und den Lösungsaufwand.
Anmeldung für Privatkundschaft
Für neue Customer-Identity-Projekte ist Microsoft Entra External ID zu prüfen. Azure AD B2C P1/P2 ist seit dem 1. Mai 2025 für Neukunden nicht mehr erhältlich; bestehende Kunden werden laut Microsoft mindestens bis Mai 2030 unterstützt. Quelle: Microsoft Entra External ID FAQ (abgerufen am 8. September 2026).
Single Sign-on und Multi-Faktor-Authentifizierung sind mögliche Bausteine, aber keine pauschale Zusicherung: Die verfügbaren Methoden hängen von Identitätsanbieter, Tarif und konkreter Konfiguration ab.
Lizenzierung vor dem Projekt klären
Die früher verbreitete Kurzform «Power Apps per App oder per User» ist nicht mehr allgemein aktuell. Microsoft weist darauf hin, dass die Power-Apps-per-App-SKU seit dem 2. Januar 2026 für Neukunden über bestimmte Vertriebskanäle nicht mehr verfügbar ist. Zudem muss jede Person oder jedes Gerät, das direkt oder indirekt auf Power Platform zugreift, passend lizenziert sein. Für Power Pages bestehen eigene kapazitäts- beziehungsweise nutzungsabhängige Modelle. Verbindlich sind der aktuelle Vertrag und die Product Terms, nicht eine Beispielrechnung in einem Blogartikel. Quellen: Microsoft Learn – Lizenzierungsübersicht und Microsoft – Power Platform Licensing Guidance (abgerufen am 8. September 2026).
Deshalb lassen sich Betriebs- oder Projektkosten ohne Angaben zu aktiven Nutzenden, anonymen Zugriffen, Datenquellen, Connectoren, Dataverse-Kapazität und ERP-Integration nicht seriös beziffern. Auch eine feste Umsetzungsdauer wäre ohne geprüften Umfang nicht belastbar.
Daten und Betrieb
Zähler- und Vertragsdaten sollten nicht ungeprüft in SharePoint oder Dataverse geschrieben werden. Vor der Umsetzung sind Datenklassifikation, Rollen, Protokollierung, Löschfristen, Datenstandort und die Verantwortlichkeiten zwischen Portal, Automatisierung und ERP festzulegen.
Fazit
Power Platform kann einen EVU-Self-Service unterstützen. Für ein echtes B2C-Portal ist aber nicht die Canvas-App als Standard anzunehmen: Zuerst werden Nutzerkreis, Identität, Lizenzmodell, Datenresidenz und Integrationen entschieden; danach folgt die Wahl zwischen Canvas-App, Power Pages und einer individuellen Weblösung.
